Tagung "Leib und Politik"

10./11. September 2012

Universität Wuppertal

Organisation: Tobias Klass

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Die Tagung „Leib und Politik“ – nach der Tagung „Leib und Sprache“ letzten Herbst in Basel die zweite des Netzwerkes „Kulturen der Leiblichkeit“ – wird sich dem komplexen Verhältnis von Leiblichkeit und Sozialität bzw. Politik zuwenden. Dieses Verhältnis kommt zweifellos auf ganz unterschiedlichen Ebenen zum Tragen und kann zudem in ganz unterschiedlichen Gestalten thematisiert werden. Einige dieser Ebenen und Gestalten möchte die Wuppertaler Tagung genauer in Augenschein nehmen.

Dabei wird zuerst von der seit der frühen Neuzeit eingebürgerten Auszeichnung politischer Einheiten oder Gemeinschaften als „corps social“ oder „body politics“ zu sprechen sein. Diese – zumeist als metaphorisch ausgezeichnete – Redeweise soll zum einen kritisch auf ihre anthropologischen (genauer: anthropologietheoretischen) Grundlagen hin befragt werden, zum anderen aus der Perspektive einer Theorie der Responsivität neu konzeptualisiert werden. Dabei wird immer auch die Auszeichnung des „body politics“ als „bloss“ metaphorische auf dem Spiel stehen, der konzeptuell eine spezifische Materialität bzw. Leiblichkeit politischer Gemeinschaften entgegen gestellt werden könnte.

Diese spezifische Leiblichkeit politischer Gemeinschaften soll dann in einem weiteren Schritt aus der Perspektive der Einzelleiblichkeit thematisiert werden. Die Frage wird hier einerseits die nach dem Verhältnis des Einzelleibes zum Kollektivleib sein (genauer: danach, um welche Art von Verhältnis es dabei geht: das einer Repräsentation, einer Stellvertretung o. ä.). Andererseits soll in diesem Kontext vom bisher noch wenig diskutierten Konzept der „Idiorrhythmie“ die Rede sein, das Roland Barthes in einer seiner letzten, erst vor kurzem veröffentlichten Vorlesungen am Collège des France „Comment vivre ensemble“ entworfen hat. Ebenso sollen Michel Foucaults Reflexionen zum „utopischen Körper“, die im Umkreis seiner Überlegungen zum Konzept der Heterotopie entstanden sind, Gegenstand der gemeinsamen Diskussion sein.

Ein weiteres theoretisches Feld, das auf der Wuppertaler Tagung thematisch werden soll, ergibt sich aus dem Blick auf die grundsätzliche Zerstörbarkeit bzw. Verletzlichkeit des menschlichen Leibes und deren politische Bedeutung. In diesem Bereich sind die verschiedenen Formen politischer Gewalt näher zu betrachten und in ihrer Funktion für die Konstitution politischer Gemeinschaften oder auch politischer Identitätsbestimmungen zu erörtern. Stellen Zerstörbarkeit und Verletzlichkeit des menschlichen Körpers ein destruktives Moment in den Vordergrund, lässt sich natürlich auch umgekehrt nach produktiven Aspekten des Leiblichen bei der Konstitution von Gemeinschaftlichkeit fragen, etwa nach der Rolle von „politischen  Gefühlen“ oder aber der identitätsstiftenden Macht von Körperbildern. Auch von diesen wird daher auf der Tagung die Rede sein.

 Als kritische Gegenposition soll schliesslich das von Marcel Mauss ausgehende Konzept der „Körpertechnik“ Aufmerksamkeit erfahren, um mit ihm die Grenzen der Verwertbarkeit der Leib-Körper-Unterscheidung auf sozialphilosophischem und politiktheoretischem Terrain zu demonstrieren.

 

Montag, 10. September

14:00-14:30 Begrüssung und Einleitung

14:30-15:15 Pascal DELHOM "Die Stellung der Körper in der demokratischen Repräsentation: zwischen Vertretung und Abbild"

15:30-16:15 Michel VANNI "Responsive Gemeinschaftskörper"

16:30-17:15 Massimo ULIVARI "Die Körper der Multitudo und die Biopolitik: der Leib im Empire"

17:30-18:15 Marc ROELLI "Welchen Körper hat der Staat? Zur Kritik der politischen Anthropologie"

Abendvortrag 19:00-20:15

Rainer WARNING "Überlegungen zur ,Heterotopie' und zum ,utopischen Körper' bei Foucault (illustriert an Rousseau, Stendhal und Proust)"


Dienstag, 11. September

9:00-09:45 Tobias Nikolaus KLASS ",Zeitweise unterbrochene Einsamkeit": Roland Barthes' Utopie einer ldiorrhythmie"

10:00-10:45 Harun MAYE "Die Differenz zwischen Leib und Körper aufheben: Kulturtechnikforschung zwischen Körper- und Medientechnik"

11:00-11:45 Philip FLOCK "Leib und Faschismus. Psychoanalytische und phänomenologische Annäherungen"

12:00-12:45 Thomas BEDORF Politische Gefühle

 

13:00-14:00 Abschlussdissusion

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